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Digitale Souveränität: Vom Strategiethema zur operativen Realität

Digitale Souveränität: Vom Strategiethema zur operativen Realität

Digitale Souveränität beginnt bei der Softwareentscheidung 

Wenn von digitaler Souveränität gesprochen wird, denken viele Unternehmen zunächst an Cloud-Strategien, Datenschutz oder geopolitische Fragestellungen. In der Praxis entscheidet sich die digitale Handlungsfähigkeit jedoch oft deutlich früher: bei der Auswahl, Freigabe und Steuerung von Software. 

In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen ihre Anwendungslandschaften massiv erweitert. Neben klassischen On-Premises-Produkten kommen heute SaaS-Lösungen, Cloud-Plattformen, KI-Services und spezialisierten Fachanwendungen zum Einsatz. Häufig werden neue Lösungen dezentral in Fachbereichen eingeführt, kurzfristig beschafft oder im Rahmen von Projekten etabliert. Das Ergebnis sind historisch gewachsene Software-Portfolios mit Überschneidungen, Redundanzen und teilweise erheblichen Herstellerabhängigkeiten.

Genau hier gewinnt das Thema digitale Souveränität für SAM- und IT-Entscheider an Bedeutung. Denn digitale Souveränität bedeutet nicht, auf internationale Softwareanbieter zu verzichten. Vielmehr geht es darum, die Kontrolle über die eigene Softwarelandschaft zu behalten, Abhängigkeiten bewusst zu steuern und fundierte Entscheidungen treffen zu können. Die Fähigkeit, Technologien aktiv auszuwählen, zu ersetzen oder weiterzuentwickeln, wird zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor.  

Software-Freigabeprozesse als Fundament digitaler Souveränität 

Ein zentrales Instrument hierfür sind strukturierte Software-Freigabeprozesse. In vielen Unternehmen liegt der Fokus der Freigabe noch immer auf Informationssicherheit, Datenschutz oder technischen Anforderungen. Diese Aspekte bleiben wichtig, reichen jedoch allein nicht mehr aus. 

Vor der Einführung neuer Software sollten Unternehmen heute zusätzlich Fragen beantworten wie: 

  • Gibt es bereits eine vergleichbare Lösung im Unternehmen?
  • Entsteht eine zusätzliche Herstellerabhängigkeit?
  • Welche Daten werden künftig an welchen Plattformen verarbeitet?
  • Welche Integrationen und technischen Kopplungen entstehen?
  • Welche langfristigen Kosten- und Vertragsrisiken ergeben sich?
  • Wie aufwendig wäre ein späterer Anbieterwechsel? 


Wer diese Fragestellungen frühzeitig in den Freigabeprozess integriert, verhindert die Entstehung neuer Insellösungen und stärkt gleichzeitig die Transparenz über die eigene IT-Landschaft. Software-Freigabe wird damit von einem operativen Genehmigungsschritt zu einem Instrument der strategischen Steuerung. 

Gerade bei KI-Lösungen zeigt sich die Bedeutung solcher Prozesse besonders deutlich. Viele Hersteller integrieren KI-Funktionen inzwischen direkt in bestehende Produkte oder bieten zusätzliche Services mit geringem Beschaffungsaufwand an. Ohne klar definierte Freigabekriterien entstehen schnell parallele Lösungen, doppelte Kostenstrukturen und schwer kontrollierbare Abhängigkeiten.

Software-Portfoliooptimierung als Schlüssel zur digitalen Handlungsfähigkeit

Digitale Souveränität bedeutet nicht nur, neue Risiken zu vermeiden. Sie setzt auch voraus, bestehende Komplexität aktiv zu reduzieren. 
In zahlreichen Unternehmen finden sich heute mehrere Werkzeuge für identische oder sehr ähnliche Anwendungsfälle. Verschiedene Kollaborationsplattformen, Projektmanagementlösungen, Designwerkzeuge, KI-Assistenten oder File-Sharing-Dienste existieren häufig parallel. Was aus Sicht einzelner Fachbereiche sinnvoll erscheint, führt auf Unternehmensebene oft zu steigenden Lizenzkosten, höherem Administrationsaufwand und einer zunehmenden Fragmentierung der IT-Landschaft.

Für Software Asset Management und IT Asset Management entsteht hier ein neues Aufgabenfeld. Neben der klassischen Lizenzoptimierung gewinnt die aktive Gestaltung des Software-Portfolios an Bedeutung. Ziel ist nicht nur die Reduktion von Kosten, sondern vor allem die Schaffung einer beherrschbaren, transparenten und strategisch ausgerichteten Anwendungslandschaft.

Ein optimiertes Software-Portfolio bietet mehrere Vorteile:

  • geringere Herstellerabhängigkeiten
  • reduzierte Betriebs- und Supportaufwände
  • bessere Transparenz über Kosten und Nutzung
  • vereinfachte Compliance- und Governance-Prozesse
  • höhere Verhandlungsmacht gegenüber Herstellern 
  • schnellere Integration neuer Technologien


Damit wird Software-Portfoliomanagement zu einem wesentlichen Baustein moderner IT-Governance. Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich, ob eine Lösung technisch geeignet ist. Entscheidend ist auch, welchen Beitrag sie zur langfristigen Steuerungsfähigkeit des Unternehmens leistet.


Die Rolle von SAM und ITAM verändert sich

Diese Entwicklung verändert auch die Rolle von Software Asset Management und IT Asset Management. Moderne SAM-Organisationen schaffen nicht nur Transparenz über Lizenzen und Verträge. Sie liefern Entscheidungsgrundlagen für Architektur-, Beschaffungs- und Governance-Entscheidungen. Aus einem klassischen Compliance-Thema wird damit ein wichtiger Enabler für digitale Resilienz und strategische Steuerungsfähigkeit.  
Digitale Souveränität wird künftig nicht daran gemessen, welche Technologien ein Unternehmen einsetzt, sondern wie bewusst und kontrolliert es diese Technologien auswählt, steuert und weiterentwickelt. 


Was sollten Sie jetzt tun? 

Nutzen Sie das Thema digitale Souveränität als Anlass, Ihre Software-Governance zu überprüfen: 

  • Analysieren Sie Ihr bestehendes Software-Portfolio auf funktionale Überschneidungen und Redundanzen.
  • Identifizieren Sie geschäftskritische Herstellerabhängigkeiten und bewerten Sie deren Risiken.
  • Integrieren Sie Kriterien zur digitalen Souveränität in bestehende Software-Freigabeprozesse.
  • Etablieren Sie verbindliche Bewertungsstandards für neue SaaS-, Cloud- und KI-Lösungen.
  •  Prüfen Sie regelmäßig, ob mehrere Produkte denselben Geschäftsbedarf adressieren.
  • Definieren Sie Standards und Zielarchitekturen für zentrale Softwarekategorien.
  • Verankern Sie Software-Portfoliooptimierung als kontinuierlichen Prozess innerhalb von SAM und ITAM.


Digitale Souveränität entsteht nicht durch einzelne Technologieentscheidungen, sondern durch konsequente Governance. Unternehmen, die ihre Software-Freigabeprozesse professionalisieren und ihr Software-Portfolio aktiv steuern, schaffen die Grundlage für mehr Transparenz, geringere Komplexität und langfristige digitale Handlungsfähigkeit. 

Gerne unterstützen wir Sie auf diesem Weg – von der ersten Standortbestimmung und der Definition geeigneter Handlungsfelder über die Entwicklung passender Governance- und Optimierungsmaßnahmen bis hin zur vollständigen Umsetzung und nachhaltigen Verankerung in Ihrer Organisation. 

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Kontaktperson

Dirk Brenneis

Dirk Brenneis

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